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Dunkelheit Ein Grollen in der Ferne Der Wind frischt auf Mit dem Tagesanbruch legt sich der Wind Ein großes Zelt steht da Vier Schatten von Frauen im Zelt Lilith tritt heraus als Bauchtänzerin und vollführt anmutige Armbewegungen; während sie die Anwesenden im Saal locker anspricht, tanzt sie immer wieder ein wenig [1-188] Wie erzählt man etwas? Wie erklärt man seinen Kindern zum Beispiel, woher Opa und Oma kommen? Kain erfand Gott Gott hatte Opa aus dem Lehm gezogen und Oma aus einer Rippe Adams erschaffen Kain wusste damals noch nicht wie das funktionierte: der kleine Rüssel des Mannes kam erst später hinzu als Zufügung zur Frau-Mensch, und jetzt da wir das wissen, müssen wir es beim richtigen Namen nennen: Gott schuf die Frau-Mensch und, mit einer Anpassung auch den Mann-Mensch Schluss mit Mann und Männ-in! Schluss mit Isch und Isch-Scha Und dann tun wir gleich auch etwas gegen die Verwendung der Wörter Fee und Hure; man könnte sie erweitern mit Mann-Fee und Mann-Hure bi- und non-bi-Fee und -Hure Trans-Fee und Trans-Hure - und so weiter, aber ich persönlich ziehe es vor, es einfach zu halten: Schluss mit Fee und Hure! Ich bin nicht da um angeschaut aber nicht gesehen zu werden und ich bin gewiss keine Mannequin, kein Männchen! Lilith hält einen Moment inne Es ist inzwischen heller geworden im Zelt Feen sind einfach Geister Nennen wir sie also so: Geister Und Mann-Menschen legen sich leichter neben eine Frau-Mensch als umgekehrt, daher gibt es in der Praxis mehr Mann-Huren als Frau-Huren Viel mehr Mann-Menschen vergewaltigen Beim Wort vergewaltigen blickt Emzara auf Während Lilith weiterredet, steht Emzara auf und geht durch das Zelt eine Frau-Mensch als umgekehrt Sie sind die Huren! Für Frau- Menschen ist der Begriff diskriminierend stigmatisierend, unbrauchbar! Mann-Menschen sind Huren wenn sie aus sind auf eine Gelegenheit ihren erregten kleinen Rüssel in jemand anderen zu stecken Emzara seht Lilith eindringlich an Während Lilith weiterredet, geht Emzara auf sie zu Sie setzt sich nah neben sie Huren sind Menschen, ja ja die viele Sexualpartner haben Nenne sie Bumser - männlich, weiblich, was auch Bumser ist ein Wort, das für alle verwendbar ist, genau wie das Wort Mensch In der Gesellschaft ist jeder: Mensch! Nur zuhause bleibt ein Geschlechtsunterschied Zuhause halten wir die Worte Vater und Mutter hoch aufgrund der biologischen Unterschiede bei der Zeugung von Kindern und der Funktionsweise von Müttern und Vätern Kurze Sprechpause Wie erzählt man etwas? Welche Worte sind richtig? Kain erfand Gott als unsere Vater-Mutter Adam und ich waren Menschen und dann, als ich bereit war und ihn zum ersten Mal in mich eindringen ließ... und Kain geboren wurde veränderte sich unser Leben! Wir erfreuten uns an unserem Kind doch die Zeit im Paradies war vorbei Von da an ging Adam oft allein los Ich hatte ihm beigebracht auf die Standorte der Obstbäume zu achten und seiner Nase zu vertrauen um zu erkennen, wo die Früchte reif waren Und ich hatte ihm beigebracht früher als die anderen aufzustehen schon im Mondlicht aufzubrechen und ein kleines Stück weiter weg der Erste zu sein, derjenige der die reifen Früchte pflückt Er war damit nicht ganz zufrieden er fühlte sich in seinem Stolz verletzt Und ich erinnere mich dass er sich nicht traute eine Frucht zu essen, aber weil ich davon nicht krank wurde konnte ich ihn zu einem Biss verleiten Trotzdem wurde er sauer anstatt mir zu danken Später drehte er bei, aber er betrachtete das Früchtepflücken nie als séine Arbeit Kain erkannte das bald und erfand daraufhin das Paradies mit dem Baum und der Schlange und Gottes Verbot denn wenn man Gott einmal im Kopf hat wird man ihn nicht mehr los, man muss immer eine Fortsetzung erfinden wie die Geschichte vom Apfel Nun ist es Rebekka, die aufblickt und näher rückt oder der Feige, einer reifen Frucht mit der Schlange, die uns verführte und dem Wissen, das wir erlangten und der Reise, die wir unternahmen Adam ging voran Er kannte den Weg, sagte er Und ich habe geschwiegen Er folgte einfach dem Fluss Als Kain selbst Kinder hatte und ihnen erklären wollte warum wir immer weiterzogen erfand er einen Engel der uns weggeschickt hatte die Welt zu entdecken und überall für die Tiere und die Pflanzen zu sorgen Und zur Zeit Methusalems hatten seine Enkelkinder die Geschichte noch weiter ausgebaut, denn wenn Adam und ich die Ersten waren die etwas Falsches getan hatten dann musste offenbar auch erzählt werden, wer als Erster einen Menschen getötet hatte Kein Tier, um es zu essen beim Festmahl, und im Winter wenn es kaum anderes zu essen gab Nein, einen Menschen! Miriam schüttelt den Kopf und wirft Rebekka einen bedeutungsvollen Blick zu Und das wurde unserem Sohn einfach so in die Schuhe geschoben! Weil Kain ein Einzelkind war wurde ihm ein Bruder zugeteilt Über diesen Bruder wurde nichts Besonderes erfunden, er ist lediglich eine Pappfigur die keine Sprechrolle hat denn seine Rolle besteht nur darin ermordet zu werden Zur Belehrung und Unterhaltung Das führte jedoch zu einem Problem Eine Frage des Ehrgefühls Denn der Erzähler wollte nicht von einem Mörder abstammen! Also gut, erfand er einen weiteren Bruder! Was bedeuten Fakten schon in einer Geschichte? Sie nannten unseren dritten Sohn Set Ihm wurde Kains Leben zugeteilt jedoch ohne den Brudermord. Schließlich war er erst danach 'geboren' worden Und nun war er es der Bäume züchtete Bohnen und Gräser mit essbaren Samen Nun war er es der Kanäle grub und ein Haus aus Lehm baute mit einem stabilen Dach Nun war er es der Werkzeuge und Bettgestelle herstellte während die Nachkommen Kains anderswo lebten, obwohl sie fast die gleichen Namen trugen Das ist eine Nachlässigkeit in der Geschichte Warum die Namen nicht geändert? Glücklicherweise bot die Sintflut eine Lösung: Kains Nachkommen ertranken, und von Sets Nachkommen wurde Noah von Gott gerettet Beim Wort Noah blickt Emzara auf Während Lilith weiterredet, steht sie auf und stellt sich neben Lilith So windet sich die Fortsetzung wie eine Schlange durch die Fakten als poetische Zusammenfassung der Evolution, vom Nichts zum Menschen, vom Herumziehen zu einem festen Wohnsitz mit Gebräuchen und Verhaltensregeln bis sie erschüttert werden Lilith legt Emzara einen Arm um die Schulter EMZARA [189-200] [E12] Ein fester Wohnsitz... Der hatten wir nur im Boot Wir saßen fest während es umhertrieb Gebräuche, Gewohnheiten... Sie veränderten sich im Boot Wir konnten nirgendwo hin und wurden steif vor Langeweile Das Paradies schien endgültig verloren Du hast das echte Paradies gekennt Wie war das? Wo lag es? LILITH [201-212] [L200] Das war, als wir jung waren und ständig aneinander dachten Als wir noch unbekümmert lebten Ohne Sorgen um die Zukunft unseres Kindes Es war kein besonderer Ort nur: ein fruchtbarer Ort Es war eine Lebensweise Zusammen sein Gemeinsam genießen Harmonie Frieden EMZARA [213-400] [E200] Wir Herumziehender sehen das Paradies vor allem als ein Leben in Frieden in einem Land ohne Feinde Ein freies Land, weit mit grünen Wiesen und Nuss- und Obstbäumen Ich kenne drei, Paradiese Eines im Norden: das Zweistromland Eines im Süden: das Flussdelta Und eines in der Mitte: hier, wo wir sind das Flachland das verflucht wurde dennoch ein Paradies, letztendlich unser Land, leider verflucht von uns selbst - absurder kann man es sich nicht ausdenken! Natürlich war es falsch Was rede ich da! Tot! Ich wollte tot sein! Mein eigener Sohn, ausgerechnet! Wie eine Schlange schlüpfte er ins innere Zelt, zerrte mich mit ihm zum Bett und wand sich aus seiner Haut Aufgeregt riss er an meinen Kleidern, zwang mich auszuziehen und sah mich wütend an damit ich schwieg Außerdem war niemand zu Hause und ich wagte es nicht meinem Mann davon zu erzählen Frauen werden für weniger verstoßen, und ich konnte es nicht Ich war nichts mehr, tot ja, ich wollte tot sein Woher nahm ich die Kraft aufzustehen und mich zu waschen das Abendessen zu kochen und so zu tun als wäre nichts passiert und alles vorbei und er würde nicht zurückkommen? Wäre er doch nur... Schließlich hörte es auf Seine Brüder erwischten ihn und erzählten es ihrem Vater Der nichts unternahm Nicht einmal, als sich herausstellte dass ich schwanger war All die Monate der Anspannung Wachsende Wut in seinem Bauch Das Baby hatte dasselbe Gesicht denselben Körperbau wie Ham Welche Gewissheit konnte das geben über die Vaterschaft? Für Noah aber war es klar Er tobte, schrie wilde Laute aus um nicht zu fluchen Doch einen Fluch erlegte er wohlüberlegt, am Tisch - die Männer und ich im Kreis und das Baby auf meinem Schoß Er ignorierte Ham und traf ihn am schlimmsten indem er auf das Kleine zeigte und ganz ruhig sagte: Kanaan und all seine Nachkommen werden den anderen Geschlechtern dienen dem Volk Sems, dem Volk Japhets Es ist eine Strafe Gottes Was hätte er sonst tun sollen? Seine Ehre war geschändet worden und er war alt, nicht mehr so hart wie während der Sintflut Damals stand er da oben an Deck, allein und er verschloss die Ohren vor seinen Geschwistern Er verschloss die Ohren vor seiner Nichte die ihr kleines Baby tauchte, in das steigende Wasser das ihr bis zu den Lippen reichte Das Vieh und die Vögel waren bereits abgesoffen Es war eine Strafe Gottes Wir saßen im Inneren des Bootes hörten von Zeit zu Zeit Wasser blubbern, letzte Atemzüge Von Menschen, die wir kennen Meine Eltern waren zu alt Sie hätten die Reise zu uns nicht bewältigen können, und Noah hielt sie nicht für ernst genug Aber meine Schwestern Meine süßen Schwestern... Er war steinhart als sie dort am Ufer standen und schrien, um mitkommen zu dürfen Und ja, mit meinen Schwiegertöchtern konnte ich nie darüber sprechen Ihre Familien, das ist ein so sensibles Thema Nie wieder, ganz bestimmt nie wieder würden sie ihre Familie sehen, als wären sie selbst wirklich entführt worden in eine neue Welt Er war hart. Er erklärte es Es war unmöglich, alle zu retten Das Boot war schließlich nicht so groß Und bei wem zieht man die Grenze? Obendrein war es nicht seine Idee So musste es von Gott sein Der wollte neu anfangen eine neue Welt sozusagen Von dieser Nichte hat er mir allerdings erzählt Als Kuriosität die man aus der Ferne beobachtet, so wie ich glaube, dass Gott die Menschen betrachtet mit Verwunderung Ich weiß nicht, vielleicht wäre ich lieber dabei gewesen lieber ertrunken, als zu leben mit dieser Erinnerung Also, Gottes Plan ist gescheitert diese idiotische Idee von einem Neuanfang einem reinen Tisch Noah schloss einen Bund mit ihm, aber unsere Söhne und ihre Frauen, wir sieben: waren wir ein reiner Tisch? Ich fühle mich schuldig mitschuldig an all den Toten all den Menschen, denen wir nicht die Hand reichten und wäre ich damals, in der Sintflut gestorben, wie schrecklich auch wäre es mir besser ergangen, und wäre das mit Ham nicht passiert Der Fluch wurde natürlich an die Enkelkinder, die von Sem und Japhet, weitergegeben Und sie hielten sich für gute Menschen Um mich, die Oma, und meine Anständigkeit zu schonen, redeten sie drumherum, was genau geschehen war In ihrer Geschichte beschränkten sie die Scham auf das Sehen der Nacktheit Noahs und, Gott sei's geklagt die Schuld dafür schoben sie ihm! Als ob es rührend wäre dass er, der großartige Vater der Menschheit getrunken hätte! Übrigens, ein Ackerbauer mit einem Weingarten war er nie! Aber Kinder glauben alles Und mit dieser Geschichte machten sich Sem und Japhet zu besseren Menschen als ihr frommer Vater Alles Lügen! Auch zu meinem Besten sagten sie, ja, wenn du zu den Männern gehörst, für die Frauen Verführerinnen sind In den besten Familien kommt es nicht zu Vergewaltigung und wenn doch muss die Frau schuldig sein Schuldig, selbst wenn sie deine Mutter ist Und nun sitze ich hier, außerhalb der Stadt im Land Kanaans mein jüngster Sohn Jerusalem, Stadt des Friedens so wurde sie benannt, oh, möge das nicht Krieg bringen! Denn einen Fluch kann man nicht aufheben... Rebekka Jerusalem, Jerusalem Frieden ist nicht der Kern dieser Stadt auf dem Felsen Hier ist die Hölle! Da unten, in der Schlucht des Hinnomtals befindet sich das Tor zur Hölle! Daher all diese alten Gräber Nahe der Unterwelt Hierher kamen die Könige Ahas und Manasse um ein Opfer darzubringen bevor sie zu einem neuen Krieg aufbrachen Sie opferten dem himmlischen König damit Er ihnen als irdische Könige den Sieg gewähre In vollem Ornat kamen sie, zum Überwachen des Baus des langen Grabens und dessen Füllung mit trockenen Ästen die kurz vor der Zeremonie entlang der gesamten Strecke angezündet wurden Eltern hatten eines ihrer Kinder einen Sohn oder eine Tochter, bestimmt die Prüfung zu ertragen und von Anfang bis Ende durch den Graben zu rennen Die Könige mussten mit gutem Beispiel vorangehen, mussten einen ihrer Söhne bestimmen obwohl sie das Ergebnis kannten Die Teilnehmer verbrannten lebendig und ihr Blut floss weg in der Schlucht, in die Unterwelt Verbrennende Tote, das ist die Hölle Die Propheten erhoben Anklagen doch es dauerte Jahrhunderte bis das Tal zu einer Müllhalde wurde um Opferrituale entgegen zu wirken Und selbst dann wurden noch die Leichen von Verbrechern auf dem Müll entsorgt und in Brand gesetzt Verbrennende Tote, das ist die Hölle 233 EMZARA [] 297 LILITH [] 305 EMZARA [] 309 REBEKKA 329 LILITH [] 393 REBEKKA 397 LILITH [] 401 REBEKKA 417 LILITH [] 421 REBEKKA 437 LILITH [] 465 REBEKKA 469 LILITH [] 477 REBEKKA 478 EMZARA [] 482 MIRIAM [] 490 LILITH [] 498 MIRIAM [] 499 LILITH [] 519 EMZARA [] 523 MIRIAM [] 539 EMZARA [] 555 LILITH [] 559 MIRIAM [] 563 LILITH [] 591 MIRIAM [] 595 XX LILITH [] 647 EMZARA [] 651 MIRIAM [] 663 EMZARA [] 675 REBEKKA [] 679 LILITH [] 687 REBEKKA [] 691 MIRIAM [] 695 Het was een onzeker leven |
| Band Die Wendungen der Schlange | 5-7-5 | ||
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