In Zerrspiegeln und Familienfotos
erkunde ich die Grenzen dessen, wer ich bin
In Gesellschaft lasse ich meinen Körper wiegen
meine Augen erwartungsvoll versteckt
hinter einem goldenen Vorhang aus langen Haaren
liebäugelnd wie ein Stern, mit gespitzten Lippen
um zu fühlen, wie es ist
weltberühmt zu sein
und dann umso mehr meine Vagheit zu erfahren
versteckt hinter großen Augen, wie ein Kind
in Engelsflügeln aus Sand
mit goldenen Schlüsseln in meiner Hand
Gedicht 3734 Amsterdam, 2021-04-23 Band: Ich bin
Zywa
Waagebaum
Sie hat mich, sie wird mich
einsperren mit Schlangen
oder Spinnen oder lebendig
häuten, rösten, aussaugen
oder behexen, ich bin verloren
Warum habe ich
mich in den Baum gewagt
durch den Spalt gezwängt
neugierig, vielleicht
schon verzaubert
Was habe ich hier gesucht?
Mich selbst kennenzulernen
ein unterirdisches Ich
verfangen zwischen den Wurzeln
in der Höhle der wilden Frau?
Ich will raus Ja geh
braves Kind immer rein
der Ausgang ist leicht zu finden
schau einfach in den Spiegel!
Ich sehe Waffen in meinen Händen
ich sehe mein Gesicht, es ist hart
ich klettere aus meiner Waagev
genauso schwer wie sie
genauso leicht wie sie
Gedicht 2846 Amsterdam, 2020-03-29 Baba Yaga, die alte Hexe Band: Netzgarten